
Tirol 2026
Meine erste große Alpentour mit der Tracer
In der Zeit vom 26. bis 30. Juli 2026 machte ich meine erste Tour mit der Yamaha Tracer 7 GT durch Österreich. Geplant waren zwei Tage für An- und Abreise sowie drei Tage in Tirol mit einigen der schönsten Alpenpässe. Auf meiner Route lagen unter anderem das Tannheimer Tal, der Oberjochpass, das Hahntennjoch, das Kaunertal, der Reschenpass, die Ötztaler Gletscherstraße und als Höhepunkt das Timmelsjoch. Am Ende konnte ich alle geplanten Strecken fahren.
Vor der Reise stellte ich mir vor allem zwei Fragen: Würde ich die 720 Kilometer lange Anreise konditionell schaffen? Und wie würde ich mit den unzähligen Haarnadelkurven am Timmelsjoch zurechtkommen? Gerade als Anfänger hatte ich davor großen Respekt.
Doch wie es mit vielen neuen Erfahrungen ist: Irgendwann startet man den Motor – und plötzlich funktioniert vieles besser als erwartet.
Schon die erste Etappe verlief überraschend gut. Die 720 Kilometer meisterte ich ohne größere Probleme und die Tracer erwies sich als hervorragender Tourenbegleiter. Ganz nebenbei purzelten einige persönliche Bestmarken: Zum ersten Mal fuhr ich 225 Kilometer ohne Pause, erreichte kurzzeitig 153 km/h und legte damit die längste Tagesetappe zurück, die ich bisher gefahren bin.
In den Alpen warteten dann die eigentlichen Herausforderungen. Besonders das Timmelsjoch beeindruckte mich nachhaltig. Die österreichische Seite ließ sich noch recht flüssig fahren, doch auf der italienischen Seite Richtung Moos reihten sich anspruchsvolle Haarnadelkurven und enge Kehren aneinander. Genau dort merkte ich, wie sehr ich mich während der Tour weiterentwickelte. Mit jeder Kehre wuchs das Vertrauen in das Motorrad und in die eigenen Fähigkeiten. Als ich später einen Blick auf die Tourdaten warf, stellte ich überrascht fest, dass ich dort eine Schräglage von 36 Grad erreicht hatte. Vor der Reise waren es maximal etwa 25 Grad gewesen. Für erfahrene Alpenfahrer mag das unspektakulär sein – für mich war es ein kleines persönliches Erfolgserlebnis.
Überhaupt waren die drei Tage in den Bergen eine intensive Fahrschule. Ich lernte viel über Blickführung, Kehren und das Fahren auf Passstraßen. Zweimal verschaltete ich mich in einer Spitzkehre, wodurch das Hinterrad kurz wegrutschte. Zum Glück blieb es bei einem Schreck – und einer wertvollen Erfahrung.
Mindestens genauso wichtig war jedoch das, was abseits des Fahrens passierte. Allein unterwegs zu sein, tat mir unglaublich gut. Mit den Ohrstöpseln im Helm, der angenehmen Ruhe während der Fahrt, dem Duft von Holz und frisch gemähtem Heu und der beeindruckenden Kulisse der Alpen bekam die Reise stellenweise fast einen meditativen Charakter. Gleichzeitig verlangten die Passstraßen meine volle Aufmerksamkeit. Über viele Stunden gab es nur die nächste Kurve, den nächsten Scheitelpunkt und die Landschaft. Für andere Gedanken war kein Platz – und genau das empfand ich als ausgesprochen wohltuend.
Die Heimreise hatte es schließlich noch einmal in sich. Nach den erlebnisreichen Tagen in den Bergen standen erneut rund 700 Kilometer auf dem Programm. Zunächst fuhr ich bei Temperaturen von bis zu 42 Grad, später änderte sich das Wetter schlagartig. Ab Limburg begleiteten mich Sturmböen, Gewitter und Starkregen. Kurz vor Duisburg kam es zusätzlich zu einer Vollsperrung – mitten im strömenden Regen. Es war einer dieser Tage, an denen scheinbar alles zusammenkommt.
Trotzdem erinnere ich mich heute nicht zuerst an Hitze oder Unwetter, sondern an die vielen schönen Momente der Reise: an die Passhöhen, die Ausblicke, die Ruhe in den Bergen und an die Begegnungen unterwegs. Eine davon bleibt mir besonders in Erinnerung: Während des langen Staus lud mich der Brummifahrer Werner kurzerhand in seine Fahrerkabine ein, damit ich dem Regen für einen Moment entkommen konnte. Solche kleinen Gesten machen eine Reise oft genauso besonders wie die großen Landschaften.
Als ich zu Hause den Motor ausschaltete, war ich einfach nur dankbar. Dankbar für rund 2.165 unfallfreie Kilometer, für viele neue Erfahrungen und für eine Tour, die mir lange in Erinnerung bleiben wird.
Ich habe diese Tour über „Find Penguins“ (https://www.findpenguins.com) mit Bildern und kurzen Eindrücken festgehalten. Über den Link unten kannst du sie nacherleben.

Timmelsjoch
Die Timmelsjochhöhe in 2474 m Höhe um 8.30 Uhr früh.

Kirchturm in Alt-Graun
Die versunkene Kirche in Alt-Graun im Vinschgau in Südtirol/Italien

Ötztaler Gletscherstraße
Meine Tracer und ich auf der höchsten Straße der EU in 2798 Metern Höhe.